Der Saubach und seine Geister
Der Stadtteil Paradies ist der westlichste Zipfel der Konstanzer Altstadt. Ursprünglich eine eigenständige Vorstadt von Fischern und Bauern besiedelt. Zur Gründungszeit nannte sich das Dorf „Eggehusen". Von 1186 - 1253 gab es in diesem Dorf ein Clarissenkloster mit dem schönen Namen „claustrum Paradysi apud Constantiam". Als die Nonnen abzogen, blieb nur noch der Namen des Klosters übrig - Paradies.
Bereits um 1633 wurde bei einer Erweiterung der Stadtmauer und des Wassergrabens das Paradies in die Umfriedung der Stadt Konstanz mit aufgenommen. Dieser Wassergraben ist heute die Grenze zur Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen und wird als „Saubach" bezeichnet. Der heutige Saubach entspringt oberhalb Kreuzlingens in einem Feuchtgebiet, fließt dann zum größten Teil in Rohren unter Kreuzlingen durch, bis er kurz nach der Grenze wieder offen fließen darf. Seinen Namen hat der Saubach von einer Farbenfabrik aus Kreuzlingen, die jahrelang die Farbreste über den Bach entsorgt hat. Heute ist das Wasser allerdings sehr sauber. Ab 1635 wurden von den Soldaten auf den Wehrgängen vermehrt eigenartige Geräusche vernommen. Gelegentlich wurden seltsame Lichter im und am Wassergraben bemerkt und lautes Gelächter und Gesänge, deren genauen Ursprung niemand feststellen konnte. In besonders dunklen Nächten glaubten die Bewohner auch Gestalten an den Ufern des Baches zu sehen – doch die Gestalten waren nie greifbar. Kaum waren sie da, waren sie auch schon wieder weg. Nur die wenigstens wagten es auszusprechen – "da sind die Saubach-Geister!" Ob die Geister von Norden her über das Wollmatinger Ried und den Seerhein den Saubach besiedelten oder eher über die Schweiz eingewandert sind, kann man heute leider nicht mehr mit Gewissheit sagen. Die Wissenschaft kann noch keine Gen-Tests an Geistern vornehmen. Biologisch gesehen sind die Saubach-Geister sehr eng mit den Elfen verwandt – auch wenn ihr heutiges Erscheinungsbild nicht mehr darauf schließen lässt. Die Flügel sind im Vergleich zum Körper viel zu klein. Nach den aerodynamischen Gesetzen ist es dem Saubach-Geist eigentlich unmöglich zu fliegen, dennoch wird das ein oder andere Exemplar dieser Geister auch gern auf Laternen oder Mauervorsprüngen gesehen. Ähnlich wie bei der Hummel scheint es die Geister nicht zu interessieren, dass sie eigentlich nicht fliegen können. Mit Sicherheit kann man aber sagen, dass die Geister das ganze Jahr am Saubach angesiedelt sind. Ursprünglich ging man davon aus, dass sie den größten Teil des Jahres verschlafen und nur um die Fastnachtszeit aktiv werden. Neueste Forschungsergebnisse belegen, dass die Geister ganzjährig aktiv sind. Allerdings sind sie die meiste Zeit unsichtbar und agieren im Verborgenen. Durch ein sehr seltenes Bakterium - Bacillus vaschnahtciens - werden die Geister jedes Jahr zwischen dem 6. Januar und Aschermittwoch sichtbar. Wann genau sich die Geister mit diesem Bakterium angesteckt haben, ist leider noch nicht erforscht. Die erste offizielle Sichtung eines Saubach-Geistes fand jedoch an der Fastnacht 1989 statt. Zunächst war nur ein Exemplar davon betroffen. Da der Beobachtungszeitraum dieser seltenen Gattung sehr begrenzt ist, gibt es keine verlässlichen Zahlen und Angaben über die Anzahl der Geister und deren Gewohnheiten. Auch über die Art der Fortpflanzung ist absolut nichts bekannt. Geisterwissenschaftler glauben an der vergangenen Fastnacht etwa 30 verschiedene Exemplare gezählt zu haben.
Die selbe Geschichte auf alemannisch - d'selbe Gschicht uf alemannisch ...
De Suhbach und siene Geischt’r
Ganz im Weschte vu Konschtanz, do isch’s Paradies. Frühr amol war des a Dorf vu Fischere und Bauere. Do hot’s no Eggehuse g’heise. Vu 1186 bis 1253 hot’s do e Clarissekloschter khet. De Name vu dem Kloschter war „claustrum Paradysi apud Constantiam“. Wo denn d’Nonne gange sind, isch nu no de Name übrig blibbe – Paradies.
Scho ums Johr 1633 hond se beim verlängere vu de Schdatdtmuere und vum Wassergrabbe s’Paradies au mit gnumme. Heit no isch de Wassergrabbe d’Grenze zu Krüzlinge i de Schwiez. Mir saget heit „Suhbach“ dezue. Entschpringe duet des Bächle hinter Krüzlinge imme Moos. Fließe duet’er d’meischte Ziet imme Rohr. Erscht glei noch de Grenze derf er offe fließe. De Namme hotr vu ere Farbefabrik us Krüzlinge. Die hot johrelang ihre Reschtle nei gläret. Heit isch’s Wasser ab’r suber.
So vu 1635 a, hond d’Soldate uf de Werhgäng oft komische Greäusch g’hört. Manchmol hond se au a Liecht im oder um de Grabe rum g’sehe. Me hot au g’hört, wie do welche glacht und gsunge hond. Ab’r konner hot g’nau gwißt wo’s herkunnt. Wenns ganz dunkel war, hond d’Leit au glaubt, dass do welche ummirennet – aber konner hots g’nau g’sehe. Kum wared se do, wared se au scho wieder weg. Kaum onner hot sich traut z'sage – „do guck, d’Suhbach-Geischt’r!“
Konner woß woher die kumme sind. Ob vu Norde übers Wollmatinger Ried und de Seerhie od’r vu de Schwiez. D’Wisseschaftler kennet no konne Gen-Teschts mit de Geischt’r mache.
Biologisch g’sehe sind die Suhbach-Geischt’r fascht Elfe – au wenn mer ne des heit nimme a sieht. D’Fligele vu denne sind z’klä. Vu de Ärodynamik her, kennet die gar it fliege. Trotzdäm kasch onnige vu denne uf Laterne oder Muhre sähe. Wie bei de Hummle wosset die des gar itte, dass se itt fliege kennet.
Me woß ab’r gwiß, dass die Geischt’r s’ganz Johr am Bach dehom sind. Frier isch mer de vu us gange, dass se d’meischte ziet voschlofed und nu a de Fasnacht wach wered. Heit woß mer ab’r, dass se s’ganze Johr ebbes dont. Blos sieht mer se do itte, do sind se halt unsichtbar.
Bazille wo mer it oft finde duet – Bacillus vaschnahtciens – sind schuld, dass mer die Geischt’r zwische d’Heilige drei Kenig und em Aschermittwoch sehe ka. Me woß ab’r itte, wenn se sich demit a’geschteckt hond. S’erschte mol richtig g’sehe hot mer onner vu denne Geischt’r a de Fasnacht 1989. Erscht war’s nu onner. Beobachte ka mer se halt it oft. Drum woß mer eigentlich itte viel vu denne. Me woßt it g’nau wieviel dass es de vu hot, au it wa se so machet od’r wie’s meh weret.
G’scheite Leit monnet, dass se a de Fasnacht so 30 g’sehe hond.
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